Wann macht eine Haartransplantation Sinn?



Wann macht eine Haartransplantation Sinn?

Zusammenfassung: Fußballtrainer Jürgen Klopp hat es gemacht – und außer ihm noch Tausende andere pro Jahr in Deutschland: eine Haartransplantation. Doch die Methode hat ihre Tücken. Denn sie ist nicht für jeden geeignet.

Inhaltsverzeichnis

Was tun bei Haarverlust?

Lichte Stellen, Geheimratsecken oder eine Halbglatze gehörten früher zum Älterwerden dazu. Schicksal, nichts zu machen. Heute ist das anders. Ärzte können zum Beispiel Haare von einer Stelle des Körpers an eine andere transplantieren. Manch ein Prominenter hat vorgemacht, wie verblüffend das Ergebnis aussehen kann. Doch die Methode hat ihre Tücken. Sie ist nicht für jeden geeignet, sollte nur von Spezialisten durchgeführt werden – und sie ist teuer.

Bei einer sogenannten Eigenhaartransplantation werden eigene Haarwurzeln aus einer dicht behaarten Kopfzone entfernt und in kahle Stellen verpflanzt, erklärt Frank G. Neidel, Präsident des Verbands Deutscher Haarchirurgen (VDHC). Nicht nur der Schopf, auch Augenbrauen, Wimpern und Barthaare können nach einer Haartransplantation wieder wachsen.

Haartransplantation bei Männern

Haarverlust war lange Zeit ein Tabuthema, über das viele noch nicht einmal mit einem Arzt redeten. Das hat sich gewandelt. Immer mehr Frauen und Männer entscheiden sich für eine Haartransplantation. Nach einer Mitgliederbefragung der Internationalen Dachgesellschaft für Haartransplantation (ISHRS), an der sich von über 1000 ärztlichen Mitgliedern 300 beteiligten, wurden 2016 weltweit etwa 600.000 Haartransplantationen durchgeführt, davon etwa 80.000 in Europa. Im Vergleich zum Jahr 2014 ist das ein Plus von 40 Prozent.

Neidel geht davon aus, dass in Deutschland pro Jahr mindestens 4000 Haartransplantationen vorgenommen werden. Weil von erblich bedingtem Haarausfall in erster Linie Männer betroffen sind, sind sie es auch, die sich überwiegend einer Haartransplantation unterziehen. „Nur 15 Prozent aller Haarverpflanzungen werden bei Frauen gemacht“, sagt Privatdozent Klaus Walgenbach, Ärztlicher Leiter der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie am Universitätsklinikum Bonn und Sprecher des dort angesiedelten Kompetenzzentrums Haar.

Transplantation abhängig von der Ursache für den Haarausfall

Ob eine Eigenhaartransplantation infrage kommt, hängt unter anderem von der Ursache für den Haarausfall ab. „Auslöser können neben erblich bedingtem Haarausfall und Hormonschwankungen während der Wechseljahre auch bestimmte Krankheiten, Mangelernährung oder Medikamente sein“, erklärt Anke Kapels von der Stiftung Warentest. Steckt eine Krankheit hinter dem Haarausfall, wachsen die Haare irgendwann wieder. Deswegen sollten Betroffene die Ursache unbedingt von einem Arzt abklären lassen, betont Walgenbach.

Zweite Voraussetzung ist, dass überhaupt noch genügend funktionierende Haarfollikel mit Haarwurzeln existieren. Transplantiert werden kann schließlich nur, was noch da ist. Meist findet der Arzt am Kopf im seitlichen und hinteren Haarkranz Haarwurzeln, die dann in der Regel überall dorthin transplantiert werden können, wo eine dichtere Behaarung gewünscht ist.

Volles Haar haben

„Wichtig sind eine intensive Beratung und Aufklärung des Patienten vor dem Eingriff“, erklärt Walgenbach. Eine Haartransplantation ist nicht immer empfehlenswert. Ist etwa eine Glatzenbildung schon weit fortgeschritten, dann kann es schlicht zu wenig Spenderhaare für eine ausreichende Abdeckung geben. „Andererseits gibt es auch Patienten, bei denen selbst bei einem kleinen Haarkranz noch ein gutes Resultat erreicht wird“, so Neidel. Ob dies der Fall ist, kann der Arzt mit einer Analyse der Haardichte im Spenderareal vor der Behandlung ausloten.

Eingriff erfolgt ambulant

Entscheiden sich Patient und Arzt für den Eingriff, erfolgt dieser ambulant. Der Patient wird in einen Dämmerschlaf versetzt. Unter örtlicher Betäubung entnimmt der Arzt aus dem Haarkranz gesunde haarproduzierende Wurzeln und verpflanzt sie in haarlose Regionen. Bei der Entnahme der Wurzeln gibt es zwei Techniken: Bei der Streifenentnahme wird ein schmaler Hautstreifen mit Haaren und Haarwurzeln entnommen. Unter einem Mikroskop zerteilt der Chirurg den Streifen in kleinere Einheiten, sogenannte Grafts.

Bei der Einzelhaarentnahme werden gleich die einzelnen Haarwurzeln vorsichtig herauspräpariert. „Das erfordert viel Fingerspitzengefühl, Konzentration und Erfahrung des Operateurs“, betont Walgenbach.

In der haarlosen Körperregion werden dann mit einem feinen Skalpell Mikrokanäle von 0,7 Millimeter, sogenannte Slits, gesetzt. Mithilfe einer Mikropinzette setzt der Arzt die entnommenen Haarwurzeln vorsichtig ein. Die Sitzung kann sechs bis acht Stunden dauern.

Haarausfall ist ein lebenslanger Prozess

Nach der Verpflanzung passiert erst einmal nichts. Die Haarwurzeln ruhen, nach zwei bis sechs Wochen fallen die ersten feinen Härchen wieder aus. Etwa drei bis vier Monate später legen die Wurzeln los und produzieren kräftiges Haar, das dann dauerhaft erhalten bleibt. Aber für immer und ewig hält das Ergebnis nicht unbedingt. „Je jünger der Patient bei einem Eingriff ist, desto höher sind die Folgekosten“, sagt Neidel. Haarausfall ist ein lebenslanger Prozess.

Die Kosten einer Haartransplantation liegen bei mehreren Tausend Euro, der genaue Betrag hängt vom Einzelfall ab. In aller Regel gewähren die Krankenkassen keine Zuschüsse. Oft machen ausländische Institute im Internet Werbung mit weitaus günstigeren Preisen – hier ist jedoch Vorsicht geboten. Scharlatane gibt es zwar auch in Deutschland. Aber immerhin besteht hierzulande die Möglichkeit, bei der Ärztekammer Informationen über den behandelnden Arzt einzuholen.

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